Ruedi Stuber: „Übersetzungen sind eine Möglichkeit autodidaktischen Lernens.“

5. September 2010
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Das Redaktionsteam hat sich mit dem Solothurner Ruedi Stuber über die CD „Georges Brassens Mundart“ unterhalten, die im Jahr 2009 erschienen ist.

Was bewegt einen erfahrenen Liedermacher dazu, ein ganzes Album mit Coverversionen zu bestücken?

Immer, wenn ich mit anderen Musikern zusammenspiele, lerne ich Neues dabei. Übersetzen bedeutet nicht Zusammenarbeit, es ist aber eine intensive Auseinandersetzung mit dem Handwerk des Meisters: Welche Themen sind ihm wichtig? Aus welcher Optik schreibt er? Zu welchen sprachlichen und musikalischen Gestaltungsmitteln greift er? – Ich stiess dabei auf Details, die mir beim blossen Anhören der Chansons nicht aufgefallen wären.
Hinzu kommt die Herausforderung, dass unsere Mundart kein „imparfait“ aufweist. Brassens‘ Lieder sind dagegen fast ausschliesslich im imparfait. Mit dieser Hürde umzugehen, war schwierig und bedeutete Anreiz. – Übersetzungen sind eine Möglichkeit autodidaktischen Lernens.

Was ist dein persönlicher Bezug zu Brassens? Wäre dieses Album auch mit Stücken eines anderen Chansonniers oder Songwriters möglich gewesen?Ruedi_StuberI_Int.jpg

Als ich vor 38 Jahren als junger Springinsfeld zu den Berner Troubadours stiess, wurde mir bewusst, welchen Stellenwert Brassens für die damalige Liedermacherszene besass: Bei Mani Matter, Franz Josef Degenhardt, Reinhard Mey, Fabrizio de Andre, Maxime le Forestier, Georges Moustaki hat Brassens Spuren hinterlassen. Mein Schulfranzösisch erschloss mir Brassens nur ungenügend.
Während meines Studiums lebte ich ein Jahr in Paris und erlebte Georges Brassens zweimal „en scène“ im Bobino.
Ich kann mir durchaus vorstellen andere Übersetzungen zu machen. Für mich ist das reizvoll. Vermutlich aber nicht mehr in diesem Umfang. (Von Brassens habe ich 24 Chansons übersetzt).

Ist Übersetzungsarbeit eine Möglichkeit, einen Durchhänger in der Inspiration zu überbrücken und neue Ideen zu bekommen?

Für mich waren das Brassens-Programm und die CD kein Überbrückungsprogramm – mir diente es eher als Brücke im Sinne eines Zugangs zu neuen Werkzeugen in meinem Handwerk.
Ich mache seit 40 Jahren Lieder, habe ein grosses Repertoire. Wenn die Muse das Küssen eine Weile lässt, kann ich es mir leisten, auch mal ein Jahr lang kein neues Lied zu schreiben.

 

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www.ruedistuber.ch