Zéphyr Combo drehen „La Mauvaise Réputation“

19. November 2012
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Mit ihrem Bühnenprogramm „Comme Dieu en France“ unternehmen Zéphyr Combo seit längerem musikalische Reisen durch Frankreich. Nun bringen sie dem deutschsprachigen Publikum Frankreichs Chansonwelt mit einem Clip zu George Brassens „La Mauvaise Réputation“ näher. Ein Kurzinterview mit Akkordeonist und Sänger Geert Dedapper.

LiederLobby: Eure Musik und Zéphyr Combo verbinden sich eng mit Frankreich und seiner musikalischen Chanson- und Folktradition. Wie ist daraus die Idee für den Clip „La Mauvaise Réputation“ entstanden?

Geert Dedapper: Mit unserem Programm Comme Dieu en France geht es uns vor allem darum, dem deutschsprachigen Publikum eine musikalische Reise durch Frankreich anzubieten. In der Präsentation der Stücke, die wir zum Teil mit gezielten, theatralischen Elementen verbinden, versuchen wir jeweils, einen direkten Zugang zu den Chansons zu schaffen. Musikalisch arrangieren wir die Stücke neu und beleben sie damit mit Elementen aus dem Manouche- oder Akkustik-Rock Stil. Der Gedanke, gerade zu „La Mauvaise Réputation“ einen Clip zu drehen, entstand schliesslich ganz spontan: einerseits war dies seit längerem einer unserer Lieblingstitel und ausserdem kamen uns sofort viele Ideen im Hinblick auf eine konkrete, szenische Umsetzung.

LiederLobby: An Ideen hat es also nicht gemangelt – wie aber gestaltete sich die konkrete Realisierung des Projektes?

Die grösste Schwierigkeit war tatsächlich, einen Filmemacher zu finden, dessen Vorstellungen sich mit unseren deckten. Die ersten Regisseure, mit denen wir Kontakt hatten, versuchten uns Richtung Nostalgie, Landleben und idyllisch-ästhetische Bilder zu drängen, was überhaupt nicht die Meinung war. Das Landleben und die entsprechenden Szenen, welche Brassens besingt, liegen ja gute 60 Jahre zurück, und wir wollten vor allem das Lied, das in seiner Kernaussage zeitlos bleibt, ins 21. Jahrhundert holen und den satirischen Kern des Textes betonen. Inspiriert wurden wir beispielsweise durch moderne Reprisen wie jene der Reggaegruppe Sinsemlia (www.youtube.com/watch?v=A1IAnGfMoKEd). In Sebastian Cepeda fanden wir schliesslich einen jungen Filmemacher, der schon viel Erfahrung mit Videoclips hatte und der uns vor allem auch mit seiner spielerischen und kreativen Art, die in vielen seiner Produktionen sichtbar wird, überzeugen konnte.

LiederLobby: Das Lied „La Mauvaise Réputation“ besingt ja vor allem das Spiessbürgertum eines Bauerndorfes. Was war ausschlaggebend für die Wahl eures Drehortes?

Wir suchten ein Dorf von heutzutage, d.h. einen Ort, welcher neben Wiesen und Bauernhäusern auch eine bunte Mischung aus Beton, Schrebergärten, Agglo-Ambiente inklusive Kreiseln mit uninspirierten Kunstwerken, Einfamilienhäuschen und modernistischen Kirchen zeigen sollte. Wir starteten unsere Suche in Zürich und durchstreiften das Umland mit dem Ziel, eine Ortschaft zu finden, wo diese Elemente in möglichst kompakter Form vorhanden waren und wo wir einigermassen ungestört filmen konnten. Unter verschiedenen Kandidaten stellte sich schliesslich Killwangen als Favorit heraus.

LiederLobby: Du sagst, dass die Möglichkeit, ungestört zu filmen, ein wichtiges Entscheidungskriterium war. Hat sich dies beim Dreh bewahrheitet oder seid ihr auf Probleme und Widerstände gestossen?

Womit wir nicht gerechnet hatten, war, dass das Dorf am Sonntag, als wir drehten, plötzlich viel mehr Aktivität aufwies. Unser Aufenthalt in Killwangen ist den AnwohnerInnen alles andere als unbemerkt geblieben – nicht zuletzt, weil wir bei einem unglücklichen Manöver mit dem Transportbus in einem sumpfigen Acker landeten, woraus wir uns nur mit viel Mühe wieder befreien konnten … Auch während der Dreharbeiten gab es immer wieder ZuschauerInnen, die aber netterweise immer Platz machten, wenn wir ihnen erklärten, was wir vorhatten. Nach all den Kontakten hatte ich am Ende fast Skrupel, das Dorf so spiessig darzustellen – aber es ist ja auch nur ein symbolisches Dekor.

LiederLobby: Das alles klingt nach einem sehr lustigen Dreh, bei dem ihr euch trotz der Arbeit auch gut amüsiert habt … ?

Was uns viel Freude bereit hat, war die Crew, welche nicht nur aus den Musikern von Zéphyr Combo sondern auch aus einer ganzen Reihe von StatistInnen bestand, die wir extra für den Clip rekrutiert hatten. Eine bunte Mischung von kreativen, unkomplizierten und lustigen Leuten aus allen Altersgruppen: zwei Musiker, zwei Schauspielerinnen, eine Akrobatin, zwei Puppenspieler, ein Architekt und nicht zuletzt die bekannte Chansonnière Clara Moreau. Sie alle haben sich bei den Dreharbeiten wahnsinnig engagiert und sich hemmungslos in unsere verrückten Ideen hineingelebt. Wichtig war auch, dass Sebastian am Tag selber den Groove der ganzen Crew sehr gut aufgegriffen hat. Hinzu kamen überdies abgefahrene Gegenstände, die wir zum Teil in letzter Minute organisiert hatten: das rote Telefon, der Kürbis, die Masken von Beatrice Jerzö, der Staubsauger usw. Der Winterthurer Künstler Erwin Scheidegger hat uns schliesslich am Nachmittag für die Bandaufnahmen seinen Skulpturenpark zur Verfügung gestellt und auf unsere Anfrage hin auch noch fröhlich vor der Kamera getanzt. Und wenn Erwin an einer Party tanzt, dann kann man fast nicht anders als mitmachen … Dazu kam noch eine begeisterte Band und ein super Soundingenieur für die Aufnahmen – wir hätten es uns wirklich nicht besser träumen können.

LiederLobby: Da können wir also in der Tat sehr gespannt sein auf das Resultat … ! Wir bedanken uns für das Interview und wünschen euch mit eurem Programm und dem Clip weiterhin viel Erfolg! Und für unsere LeserInnen geht es unter dem folgenden Link zum Video:

Videoclip: „La Mauvaise Réputation“
Text (fr/dt): „Der schlechte Ruf“
Homepage: www.zephyrcombo.ch/band