Alte Eidgenossen und junge Schweizer: dr Glood – “Irgendwenn”

20. Januar 2013
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REINHÖREN: dr glood – “Irgendwenn” (Song Nr.2)

von Markus Heiniger

„dr Glood“ (mit Doppel-o) ist ein Künstlername und leitet sich vom in der Schweiz gängigen Französisch geschriebenen Vornamen „Claude“ ab. Das „dr“ von „dr Glood“ wird dabei immer klein geschrieben, selbst an Satzanfängen, da der Name sonst als „Doktor Glood“ gelesen werden könnte. Dabei handelt es sich beim „dr“ mit Zäpfchen-r keineswegs um einen akademischen Titel sondern bloss um den bestimmten Artikel. Und so gut man diesen in Deutschland eher nicht vor einen Namen stellt, also nicht „der Peter“ sagt, sondern einfach nur Peter, so wenig ist er in der Schweiz in gewissen Satzstellungen verzichtbar.

Claude Mesmer heisst der Baselbieter Liedermacher und Gitarrenspieler mit bürgerlichem Namen. Geboren wurde er 1952 in Basel, wo er auch aufwuchs, weshalb der Frenkendörfer ein durchaus städtisches Baseldeutsch singt.

Als junger Mann war Claude Mesmer Gitarrist in seiner damaligen Rockband „Lapislazuli“, mit der er es bis zu einem Auftritt am Gurten-Festival bei Bern gebracht hat, was in der Schweiz nur wenigen Bands vergönnt ist. Darauf machte sich der grosse Beatles-Fan und –interpret mit seinen sechs Saiten daran, Bach und Villa Lobos zu spielen.

Mit rund 50 beendete Claude Mesmer seine langjährige Schulleiterkarriere an der Primar- und Realschule und wurde dr Glood. So bespielte er zahlreiche namhaften Kleinkunst-Bühnen vorwiegend im Dreiländereck rund um Basel, solo und zuweilen auch zusammen mit Aernschd Born und Markus Heiniger; heute vorwiegend zusammen mit Max Mundwiler.

„Kratzbürstig“ wurde Gloods Gesang in der Presse anfangs genannt. dr Glood arbeitete mit seinem Gesangslehrer, Mentor und zeitweiligen Begleitmusiker Martin von Rütte kontinuierlich an seiner Stimme und wurde im Ausdruck zusehends nuancierter und selbstbewusster. An der Gitarre spielte der in vielen Stilen und Techniken beheimatete Glood eh von Anfang an in einer sehr hohen Liga mit.

Mit „Aaneluege“ (Hinschauen), „Irgendwenn“ (Irgendwann) und „d Galaxie“ (die Galaxie) wartete dr Glood bislang mit drei CDs auf, die mit zu den ganz feinen Aufnahmen zählen, welche Schweizer Liedermacher in den letzten Jahren eingespielt haben, wobei die jüngste bezüglich Instrumentation und Technik mit Fug und Recht als Perle bezeichnet werden darf.

Im Jahre 2003 war dr Glood Gründungsmitglied der Schweizer Liederlobby, dem Schweizer Netzwerk für Lieder, Songs und Chansons. Und bereits wenige Jahre später lancierte er zusammen mit Edith Eicher die „LiedArt-Schweiz-Konzertreihe, welche die Kleinkunst-Lieder in lange vermisstem Schwung wieder in die Szenenlokale bringt. So mauserte sich der dynamische und kontaktfreudige Zeitgenosse mit seinem unverkennbaren Rossschwanz allmählich zur Institution.

Mit „Irgendwenn“ hat dr Glood vor ein paar Jahren ein Lied über den Wegzug seiner erwachsen gewordenen Tochter geschrieben: „Irgendwann, meine liebe Tochter / hast du gesagt, du müssest gehen / die Zeit sei reif, du müssest ausziehn / ich könne das sicher verstehn…“. Der Song stellt in Gloods Konzerten so etwas wie den emotionalen Angelpunkt dar. Weshalb es gerade dieses Lied in seiner Schlichtheit ist, das sein alemannisches Publikum so magisch in seinen Bann zieht, bleibt wohl so geheimnisvoll, wie es der Erfolg gewisser Lieder zuweilen eben ist.

Doch dr Glood hat natürlich noch mehr im Köcher: Sein Song „Sansibar“ etwa, in welchem sich der Ich-Erzähler zunächst in bedenklicher Weise über einen farbigen Mann vor sich an der Kasse ärgert, bevor er in diesem plötzlich den neu eingekauften Fussballstar des FC Basel erkennt, ist eine seiner ganz grossen Nummern: Politisch, entlarvend, frech, pointiert und zudem eine musikalisch echt heisse Latin-Komposition. Oder „d Galaxie“, der Titelsong seines gleichnamigen Albums: Sie ist ihres Zeichens nicht weniger als einer von Gloods in den letzten gut zehn Jahren so zahlreich geglückten Ohrwürmern.

Heute ist dr Glood mit seinem Programm „deutsch & deutlich“ unterwegs und zusammen mit Max Mundwiler immer wieder mit „Max trifft Glood“. Ja, dr Glood singt sich während seiner Konzerte in die Herzen seines Publikums hinein; selbst in jene seiner kritischsten Zuhörer „irgendwenn“.

Links: www.drglood.ch / www.ein-achtel-lorbeerblatt.de

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