Aernschd Born – Fukushima Shuffle

14. März 2013
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aernschd_born_artikel_markus_heinigerAlte Eidgenossen und junge Schweizer. Heute: Songpoet Aernschd Born, Deutscher Kleinkunstpreis 1980 (von Markus Heiniger)

„Born in Basel“ heisst sein im Basler Christoph Merian Verlag erschienenes Buch mit Doppel-CD, welches Aernschd Borns Liedschaffen von 1968 bis 2002 präsentiert. Verschmitzt erklärt Born im Gespräch, er sei zwar 1949 in Zürich geboren, habe „es“ dann aber schon bald eingesehen und sei nach Basel umgezogen. Mit dem vor zehn Jahren erschienenen Werküberblick hat Borns Engagement allerdings noch lange kein Ende gefunden. Im Gegenteil.

„Wir haben alles im Griff auf dem sinkenden Schiff / haben alles im alles Griff auf dem giftigen Riff / fahrn, das Ruder in der Hand / volle Kraft an die Wand / wir kennen jeden Kniff und stehn so schön im Schiff.“ Wobei mit „im Schiff“ auf Baseldeutsch zuletzt natürlich „im Regen“ gemeint ist. Wir stehen, singt Aernschd Born, also im Regen, auf dem sinkenden Schiff. Ja. Und ganz zuletzt wendet der SongPoet das doppeldeutig verwendete Wort „Schiff“ mit der für ihn typischen textlichen Leichtigkeit gerade noch einmal um 180 Grad um. Oder zurück. Wie man will. Wie macht er das? Mit einem heiter-sarkastischen: „Ahoi!“.

Mit der Gitarre gegen Windmühlen?

Wer in der Schweiz den Namen Aernschd Born hört, bringt den Basler Antipoden der legendären Berner Troubadours in der Regel mit der Anti-Atomkraftwerk-Bewegung in Verbindung. Also einer, der mit der Gitarre gegen Windmühlen anrennt? Ja, aber mit Erfolg. 1975 wurde der Bau des Atomkraftwerks Kaiseraugst bei Basel durch massiven Widerstand der Bevölkerung gestoppt. 1988 musste das Projekt endgültig fallen gelassen werden.

Und Aernschd Born, der sich zwischenzeitlich oft genug darüber ärgerte, dass sein vielseitiges Liedschaffen in der Öffentlichkeit immer wieder aufs Thema Kernkraft reduziert wurde, fühlt sich dem Thema heute, der aktuellen Umstände wegen, erneut verpflichtet, sowohl als Geschäftsführer bei „NWA“, (Nie wieder Atomkraft), als auch auf der Bühne.

1980 erhielt Born für seine Basler Dialektlieder den Deutschen Kleinkunstpreis. Unter die Haut ging unter anderem sein Lied „Victor Jara“, in dem er die Folterung und Ermordung des Chilenischen Volksängers Jara durch die Schergen Augusto Pinochets erzählte. Born, der gelernte Reprofotograph, verstand es schon damals, bei allem Engagement, stets eine nüchterne Sachlichkeit zu bewahren, in Text und Ausdruck. Überdies ist Aernschd Born ein gewievter Satiriker, der in Liedern wie „Family AG“ oder „Was dr Schwyzer vo de Mensche unterscheidet“, (was den Schweizer von den Menschen unterscheidet), sein Publikum herzhaft zum Lachen bringt.

Nach dem Erhalt des Kleinkunstpreises gründete Aernschd Born die Punkjazzband „Störfall“, welche für ihn zum finanziellen „Abenteuer“ wurde. Zudem ebbte die Liedermacherwelle in den 1980ern ab, die Theater verloren das Interesse am Genre. Doch Born blieb sich und dem Chanson treu. Er tourte mit seinem selber gebauten solarbetriebenen Musikcontainer durch die Lande, hatte eine eigene Band und kehrte schliesslich zurück zum einfachen an der Gitarre vorgetragenen Song. Er hatte etwas zu sagen und musste einfach singen. „Den ersten Satz zu finden“, sagt Born, der in seiner Jugend nicht auf Basler Liedermacher-Vorbilder zurückgreifen konnte, „das war für mich als SongPoet das Schwierigste. Doch dann war er irgendwann da. Seither läuft‘s.“

Auch ganz zarte Chansons

Borns Discographie umfasst bis dato elf Tonträger aus Vinil und Chrom. Und wer sich für Borns Schaffen für (unter anderem) Bühne, Radio und Fernsehen interessiert, entdeckt auf seiner Website, hinter welchen in der Schweiz bekannten Formaten und Sendungen sein Name überall auftaucht.

Und Aernschd Born gelingen immer wieder auch ganz zarte Lieder, wie etwa sein „Ciao Zauber“, in welchem die Kinder-Märchenwelt seiner älteren Tochter eines schönen Tages unwiederbringlich versinkt. Unwiederbringlich? Man hätte Born nicht wirklich zugehört, käme man zu diesem Schluss.

Vor rund zehn Jahren packte Aernschd Born seine wichtigsten Utensilien und zog von seinem festen Wohnsitz in der Nähe des Basler Rheinhafens zusammen mit seiner heutigen Frau, der Berlinerin Barbara Preusler, in einen Bus. Dabei handelte es sich nicht etwa um einen Camper. Das Fahrzeug hatte die Länge eines öffentlich verkehrenden Linienbusses und wurde vom Kleinkünstler kurzerhand zu Wohnung und Büro umgebaut. So brachte der ehemalige Bibliotheksbus den SongPoeten und dessen Partnerin zu seinen Konzerten in der Schweiz und in Deutschland.

Immer war Aernschd Born in Bewegung über all die Jahre. Und er brachte Bewegung in die Schweizer Liedermacherszene. 2003 gründete Born zusammen mit Gleichgesinnten die Schweizer Liederlobby und wurde schon bald darauf deren Präsident. Dann eröffnete er zusammen mit Barbara Preusler den Basler Kulturpavillon, wo sie heute, inmitten wechselnder Ausstellungen zeitgenössischer Maler und Fotographen, Songs, Literatur und Poetry Slams veranstalten.

2012 erschien sein neustes Werk: „Lieder zur Unzeit“, eine Sammlung bisher unveröffentlichter Liedertexte. Seit 2012 steht er mit seiner BORN Band Basel (Jan Herzog g, Robi Schweizer b, Roland Fischer dr) auf der Bühne.

Aernschd Born hat wichtige Impulse gesetzt und Spuren hinterlassen. Wer ihm auf oder auch neben der Bühne begegnet ist, anerkennt staunend und in Freundschaft seinen Weg.

Text: Markus Heiniger / Foto: Fotopoetin Jen Preusler (www.fotopoetin.de)

Links:

– Aernschd Born: www.borninbasel.ch / www.bornbandbasel.ch

 

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