Walther Lietha oder vom Narrenschiff und der Gefahr, damit demnächst definitiv vor Narragoniens Küste zu stranden

3. Februar 2014
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walter_lietha_geschnittenAus der Reihe “Heiniger trifft …” dürfen wir an dieser Stelle einmal mehr das folgende Interview mit Walther Lietha publizieren. Von Markus Heiniger.

Als ich mich an dieser Stelle unlängst mit Linard Bardill über Songs, die Pussy Riots und kleine Buddhas unterhielt, machte er mich auf seinen Bündner Liedermacherkollegen und Freund Walter Lietha aufmerksam, von dem er grosse Stücke hält. Und weil ich Walter Lietha in den 1970ern bereits als Junge im Radio gehört und er mich mit seiner ganz eigenen Kraft schon damals fasziniert hatte, wollte ich den gereiften Lied-Poeten nun unbedingt einmal treffen. Darüber, dass es klappte, schätze ich mich sehr glücklich. Und dass von ihm unlängst eine Anthologie in fünf CDs erschien, war natürlich eine geradezu ideale Grundlage fürs Gespräch.

MH Die Gitarrenbegleitung des Startliedes in deine Anthologie hinein ist umwerfend virtuos. Man hört hin und denkt: Mensch, der kann’s. Wie kam ein junger Liedermacher in den frühen 1970er Jahren dazu, so zu spielen?
WL Den Begriff „Liedermacher“ gab es damals natürlich noch nicht, also war und bin ich auch kein solcher, wollte es auch nie werden und stellte nie einen Zugehörigkeitsantrag an die „Zunft der Liedermacher“. Ich meine das nicht zynisch, aber bin empfindlich gegen eine Simplifizierung und Profanisierung meiner echten Berufung. Bei mir ist das Singen und Dichten ein Geschehenlassen, kein Tun oder Machen. Die Gitarre meines Vaters – welche dieser von seinem Urgrossvater geerbt hatte, der selbst anno ca.1880 ein ganzes Liederbuch mit Gitarrenbegleitung geschrieben hatte – dessen Gitarre also, war schon da, als ich auf dieser Welt erschien. Ich liebte die weichen Formen, die dunkle Höhle, das Echo… dann begann ich mit etwa zehn Jahren Gitarre zu spielen, nachdem ich bereits am Klavier virtuos improvisierte. Bald kam mir das Spiel von Andrés Segovia zu Ohren und ich begann von dessen Schallplatten jeden Ton auf meinem Instrument nachzuspielen, ohne Noten. Dasselbe machte ich mit allen von mir geliebten Gitarrenstilen, Flamenco, Blues, Folk, argentinische Gitarre. Mit dreizehn Jahren hörte ich Segovia an einem Konzert und ging danach in seine Garderobe, wo er mir auf unvergessliche Weise seinen Segen gab. Auf Noten und Unterricht habe ich immer verzichtet.

„Ich selbst, ein närrischer blinder Passagier sozusagen, bin abgesprungen um auf die Insel der Seligen zu gelangen. Elysium, die Insel der wilden Tiere. Der Matrosentrick war das Ticket dazu. Das Schiff ist jetzt vielleicht bereits abgesoffen und wir sind im Lande des Postkapitalismus gestrandet: Ahoi! Vielleicht hat das noch gar niemand bemerkt.“

MH Zweitens fällt deine helle Stimme auf. Heute klingt sie zuweilen leicht brüchig, lebenserfahren eben, eine gute Chansonstimme. Sie passt gut zum Balladesken deiner Lieder. Die Stimme des jungen Walter Lietha darf man ruhig als kräftigen, feinen und natürlichen Tenor bezeichnen. Kannst du etwas über den „Werdegang“ deiner Stimme erzählen?
WL Unsere Familie, ich war der jüngste von vier Brüdern, sang oft zusammen alte Folklore, auch italienische, denn meine Mutter war Puschlaverin mit sehr schöner Stimme und ich lernte von klein auf einfach meine eigene Stimme zu finden. Dann sang ich mit meinem Bruder das Repertoire unserer Skiffleband. Leadbelly war mein Favorit. Sein Gesang ist unverkennbar und wahrhaftig, ebenso seine Songs. Wahrhaftigkeit ist das Merkmal für einen Gesang, der mich anzieht. Es geht mir nicht allein um die Schönheit des Stimmorgans sondern auch um die Expression der Gefühle.

MH Du hattest als junger Liedermacher das Potential ein ganz bekannter Name zu werden in der Schweiz. Trotzdem haftet dir bis heute die Aura des Geheimtipps an. Gab es einen Punkt, eine Weggabelung, an der sich das für dich entschied?
WL Meine Aufnahmen sind seit 1981 in den Schweizer Medien nicht mehr zu hören. „Darf nicht gespielt werden“ stand auf einer Kopie eines meiner Plattencovers aus dem Radioarchiv, welche mir viel später zugespielt wurde. Die Schweizer durften mich, als Folge meiner Wahrhaftigkeit, in den Medien seither kaum mehr hören. Jedenfalls konnte ich natürlich auch keine Musiker mehr beschäftigen, keine Aufnahmen mehr machen, hatte keine Gigs usw. Ich ging auf lange Reisen und überliess den Kalten Krieg den kalten Kriegern. Das hat sich seither auch nie mehr geändert.

walther_lietha_anthologieMH Bei vielen Schweizer Liedermacher aus den 1960ern und 70ern merkt man sofort, ob sie mehr von Georges Brassens inspiriert waren, wie etwa die Berner Troubadours, oder von Bob Dylan, wie etwa Toni Vescoli. Wie war das bei dir?
WL Einflüsse gab es aus allen Himmelsrichtungen. Mit Georges Brassens lernte ich Französisch. Bob Dylan war mein Englischlehrer, er hat mir auch sonst wichtige Erkenntnisse bestätigt. Von Djavan und Amalia Rodrigues war’s dann brasilianisch und portugiesisch. Roberto Murolo zeigte mir die Geheimnisse des Napolitanischen, durch ihn entdeckte ich diesen wunderbaren Liedschatz. Von Theodore Bikel den Jiddischen. In den Flamenco wurde ich direkt von Diego del Gastor in Moron de la Frontera eingeweiht. Atahualpa Yupanqui und Edoardo Falu habe ich auch persönlich erlebt. Ich könnte noch viele Namen nennen, vor allem auch unbekannte: Tim Hardin, John Martyn …

MH Mit Max Lässer hattest du zeitweise einen ganz Grossen Gitarristen an deiner Seite. Wie habt ihr euch gefunden? Und wie gestaltete sich eure Zusammenarbeit?
WL Wir spielten, sangen und schrieben Songs zusammen, seit meinen Wanderjahren. Eigentlich trafen wir uns im Studio bei Bruno Spoerri, machten zusammen die ersten Aufnahmen und dann gleich die Bode Band mit Corin Curschellas, Walti Anselmo, Düde Dürst, Andreas Vollenweider und Bruno Spoerri, später wechselte das Personal, die Keiser Brothers, Philippe Kienholz und viele weitere Musiker Joel Reiff, Sal Celi, Roli Mosimann, Gustavo Gabetta. Wir waren auf allen Festivals von deren Beginn weg und machten endlose Tourneen von 1974 bis 1980. Natürlich hätte ich gerne weiter musiziert, es sollte nicht sein. Alles Übrige kannst Du Dir selbst reimen, es ist überhaupt nicht lustig. Max kennt diese alte Geschichte, deshalb bat ich ihn, die letzte CD, eine Aufräumarbeit von zurückgelassenen Liedern, in seinem Studio zu produzieren und er hat meinem Wunsch entsprochen, dafür bin ich ihm sehr dankbar.

MH Ich, als 1968er-Jahrgang, habe viel über die 68er gehört und gelesen. Warst du einer?
WL Geschichte ist aus meiner Sicht eine Fiktion der Macht. Und Historiker sind zuständig für deren Vermarktung. Dabei benutzen sie Kunstwörter und Symbole, die willkürlich sind. Hippies ist ja auch so eine Versimpelung. Zugegeben ist es schwierig eine historische Sicht zu gewinnen für eine Epoche und deren Zeitgeist. Viel besser ist man bei den Dokumenten aufgehoben, bei der Literatur und Musik der Epoche oder eben bei authentischen Berichten. Ich selbst ritt mit meinen Freunden auf dieser riesigen Welle des „Beat“, die mich bis hierher getragen hat. Ich möchte darauf hinweisen, dass wichtige Werke der Literatur von der sogenannten Beat-Generation, die bereits in den 50er Jahren in Amerika geschrieben wurden, diese Epoche und deren Lebensgefühl eingeleitet haben. Da gibt es etwa das grandiose Werk “On The Road“ von Jack Kerouac, dessen euphorischer Rhythmus genau meinen eigenen Erinnerungen entspricht. Dieser Impuls drang über die ganze Welt und veränderte das Bewusstsein von Jugendlichen in einer von Wachstumswahn und Konsum verblödenden Gesellschaft. Buddhismus, Ökologie, hochschwingende Kunst, Subkultur und Konsumverweigerung wurden dem westlichen Materialismus und Utilitarismus gegenübergestellt. Dieselben kulturkritischen Positionen mit ähnlichem Inhalt gab es immer wieder seit der Romantik. Nach meinem Dafürhalten ist die Matrix der Aufklärung das eigentliche Problem, welche das westliche Bewusstsein mehr steuert als die Prägung durch die Natur. Mit „68“ wird meistens auf Studentenunruhen verwiesen, deren ideologischer Hintergrund nichts mit dem zu tun haben, worauf ich eben mit „Beat“ hinweisen wollte. Kerouac verweist mit seinem Begriff von Beat auf „beatific“ – Verzückung, Glückseligkeit, damit können Historiker wohl kaum etwas anfangen.

Dieselben kulturkritischen Positionen mit ähnlichem Inhalt gab es immer wieder seit der Romantik. Nach meinem Dafürhalten ist die Matrix der Aufklärung das eigentliche Problem, welche das westliche Bewusstsein mehr steuert als die Prägung durch die Natur.

MH Wie weit bist du gegangen in deinem Widerstand gegen die Welt der erstarrten Konventionen? Ich frage nur, weil du in deinen Liedern auch mal Knasterfahrung ansprichst.
WL Ich war 1963, als 13-Jähriger, bereits LSD-Proband von Pharmazie-Studenten und habe dann vieles experimentiert. Verboten wurde der Konsum von solchen Substanzen, so auch Cannabis, erst anno 1969. Dann kam ich prompt in den Knast. Alle diese Erfahrungen sind mein Proviant auf meinen Wegen und Liedern.

MH Bundesrat Moritz Leuenberger, der noch als Parlamentarier mit dem Alt-68er-Image kokettierte, trennte sich als Mitglied der Landesregierung dann irgendwann doch noch von seinem Schnauzbart. Und irgendwann schnitt sich auch der Basler Liedermacher Aernschd Born die Haare. Du hingegen trägst dein Haar nach wie vor offen und lang. Was sagt eine solche Haarpracht heute noch aus, in einer Zeit, in der doch eh jeder so rumläuft, wie es ihm gefällt?
WL Ich war weder Bundesrat noch Liedermacher und wollte es auch nie werden. Für meine Haare überlasse ich das Urteil und die Schere meiner Freundin. Zu sagen bleibt, dass ich mitten unter langhaarigen, barfüssigen Anthroposophen, natürlich selbst mit langen Haaren, meine Kindheit erlebte. Haardiskussionen fand ich somit unnötig.

MH In „Heiniger trifft Linard Bardill“ sagte dein Bündner Freund und gelegentlicher Bühnenpartner unlängst über dich: „Ich halte Walter Lietha für den vermutlich poetischsten und ekstatischsten Liedersänger der Schweiz.“ Poesie und Ekstase. Inwiefern gibst du Linard Bardill Recht? Oder hat er mit seiner kurzen Charakterisierung eine wichtige Facette des Walter Lietha vergessen?
WL Linard schätze ich sehr als Freund, Künstler und kompetenten Kollegen. Wenn er das sagt, wird er wissen warum. Ob es vermutete Superlativen sein müssen, möchte ich bezweifeln, denn ich bin zufrieden, wenn ich jemandem ein Lied vorsingen darf. Weniger Poesie und Ekstase wäre wohl publikumstauglicher. Ich würde allerdings noch als Facette ergänzen, dass ich immer gänzlich auf Marketing verzichtet habe.

walther_lietha_nuniMH Immer wieder tauchen Fahrende und Gaukler in deinen Liedern auf. Betreibst du da womöglich auch etwas Romantik? Oder bist du im Grunde selber ein fahrender Gaukler?
WL Ja genau. Ich war nie Teilnehmer am System, bin nicht eingestiegen, als es darum gegangen wäre, seriös und eine Person (persona/Maske) zu werden. Ich wurde von Sintis mit Namen bedacht und in ihren Stamm aufgenommen. Mit meiner Sinti-Freundin Nuni habe ich übrigens eine CD gemacht in der Sinti-Sprache. Sie wollte mit mir ihre Lieder singen, weil in ihrem Scharotel, als sie Kind war, die Schallplattenhülle von „Dia Fahrenda“ (1975) über ihrem Bett hing. Und ja, die Romantik ist die Antwort auf die Aufklärung mit ihren verheerenden Folgen von rationaler Totalität, die Wiederverzauberung, ausserdem erlebe ich sie in der Gegenwart durch meine Seele. Ich bedaure alle, die davon nichts mitbekommen. Das Wilde, die Poesie, die Kunst oder auch die Zigeuner, ein Naturvolk mitten in einer technisierten Zivilisation und die unberührte Natur sind mir Trost im Nihilismus dieser Epoche.

MH Singst und sprichst du auch Rätoromanisch?
WL Singen schon. Ich kenne und liebe einige Lieder in Vallader, dem Idiom des Unterengadins und des Münstertales.

MH Hochdeutsch?
WL Tatsächlich habe ich vor kurzem damit begonnen einige meiner Lieder in die Schriftsprache zu übersetzen, was mir sehr leicht fällt und ich kann sie ebensogut singen.

MH Auf der Schluss-CD deiner Anthologie gibt es ein „Lebenslied“, eine ganz feine Latin-Nummer übrigens. Es erinnert mich im Grunde etwas an Tinu Heinigers „ds Läbe tuet weh“ (das Leben schmerzt), wenn es auch etwas leiser und vielleicht sogar abgeklärter daherkommt. Hast du dich mit Kollegen wie dem Emmentaler Tinu Heiniger auseinandergesetzt?
WL Auseinandergesetzt nicht wirklich. Nein, aber ich habe ein Lied von ihm kürzlich im Autoradio gehört. Es handelte von den Berner Alpen. Er zählte die vielen Namen auf – ein berührendes Lied, wirklich. Wir haben uns vor Jahrzehnten einmal kennen gelernt. Tinu ist mutig, engagiert und nötig für dieses Land. Hoffentlich geht es ihm gut, ich lasse ihn grüssen, wenn Du ihn siehst.

MH Hauptberuflich betreibst du in Chur die Buchhandlung „Das Narrenschiff“. Das heisst, „das Narrenschiff“ ist genau gesagt das in die Buchhandlung integrierte Antiquariat. – So heisst ja auch das wohl erfolgreichste vorreformatorische Buch; es ist, ähnlich wie Erasmus von Rotterdams „Lob der Torheit“, eine Satire. Das Narrenschiff nahm einst, mit über 100 Narren an Bord, Kurs auf Narragonien. Die Geschichte ist ja hochaktuell. Siehst du eine Möglichkeit von Bord zu gehen, bevor wir allesamt endgültig in Narragonien einlaufen?
WL Ja, durchaus. Mein Vorschlag: Eine Präambel für die Menschenrechte: Gaia soll kein Besitz darstellen dürfen. Ohne Gaia keine Menschen, oder? Dann würde ich Artikel 23 ergänzen: Kein Mensch darf um Zins angegangen werden. Die Folge wäre die Dezentralisation von Macht bis zu den einzelnen autonomen sozialen Organismen, analog unserer alten Gemeindeautonomie. Für die nötige Geldreform habe ich mit zwei Freunden anno 1990 die INWO (Internationale für eine natürliche Wirtschaftsordnung) gegründet und danach das Talent-Geld in Umlauf gebracht. Hat aber kaum jemanden interessiert. Wir könnten aber auch von mir aus sofort das islamische Wirtschaftsdogma übernehmen, welches keinen Zins vorsieht. Kredit ohne Zins aber Verlust- oder Gewinnbeteiligung, sogenannte Riba.

walther_lietha_anthologie2MH „Klabautermann führt das Narrenschiff / volle Fahrt voraus und Kurs aufs Riff“ singt Reinhard Mey seinem „Narrenschiff“. In deinem Lied an den „Herr Kapitän“ verlässt du ja das Schiff jedenfalls schon mal. Eine Verzweiflungstat?
WL Wir sind sowieso alle Narren auf dem Schiff des Kapitalismus, weil wir diese Maske tragen müssten. Ich selbst, ein närrischer blinder Passagier sozusagen, bin abgesprungen um auf die Insel der Seligen zu gelangen. Elysium, die Insel der wilden Tiere. Der Matrosentrick war das Ticket dazu. Das Schiff ist jetzt vielleicht bereits abgesoffen und wir sind im Lande des Postkapitalismus gestrandet: Ahoi! Vielleicht hat das noch gar niemand bemerkt.

MH Bestimmt reichst du in deiner Buchhandlung auch hin und wieder deine eigene CD-Anthologie über den Ladentisch. Bist du zufrieden mit ihr? Oder macht dich die Anthologie zweifeln? – Oder macht sie dich glücklich?
WL Mein Glück hängt aber nicht von einer CD ab. Die Aufnahmen erinnern mich daran, dass ich ein Sänger bin, wenn jemand danach fragt. Ansonsten bin ich niemand, wie Ulysses im Anblick des Zyklopen.

MH Immer wieder gibt es dunkle Strömungen in deinen Liedern oder zumindest Gegenströmungen. In einem bist du an einem Fest. Ein fröhliches Lied mit einem fröhlichen Groove. Und doch fragst du dich, ob wir Feste einfach feiern, um der Realität nicht in die Augen sehen zu müssen. Ich kann dich dazu gar nichts fragen, denn die Mischung aus fröhlichem Fest und gleichzeitig düsteren Gedanken, das gefällt mir einfach ausserordentlich gut.
In einem anderen Lied singst du: „Und dass der Wald so dunkel ist, das machen die Bäume und dass es keine Gerechtigkeit gibt, hätte ich mir nicht träumen lassen…“. Wut und Trauer schwingen mit, bevor du zum Schluss kommst: „Und wenn ich meinen Feinden verzeihen kann, dann sind sie meine Gäste.“ Wäre dies vielleicht die Möglichkeit der Umkehr, bevor wir in Narragonien einlaufen? – Und verlangst du den Menschen da nicht etwas viel ab?
WL Nein, ich verlange gar nichts von niemandem. Es sind doch alle göttlich, nur haben das viele noch nicht gemerkt. Es geht auf Erden offenbar darum, diese Himmelsleiter zu erklimmen. In dem von Dir erwähnten Lied heisst es: Es ist der eigene Wille, der sich nicht erfüllt, es braucht noch viel, viel mehr Geduld…

MH „Wenn unser Brüder kommen mit Bomben und Gewehren / dann wollen wir sie umarmen, dann wollen wir uns nicht wehren“ singt Konstantin Wecker. Schauen wir nach Syrien, ist Flucht eher angesagt. Denn alles andere wäre Selbstmord. Du bist kein Politiker, aber ein Liedermacher. Und genau deshalb bitte ich dich, etwas zur Situation zu sagen.

WL “Wovon man nicht sprechen kann, darüber muss man schweigen.” – Wittgenstein , L.; – oder: es kann gesungen werden: Salaam – Schalom !

MH Vielen Dank, Walter, für dieses Interview.
WL Und ich danke Dir für Deine sensiblen Fragen auf die ich gerne, wenn natürlich auch nur andeutungsweise, eingehen konnte.

Walther Lietha erblickte das Licht der Welt 1950 in Basel. Er wuchs in Arlesheim und Chur auf und sang im Alter von 20 Jahren seine ersten eigenen Lieder. Wichtigste Stationen auf seinem Weg als Sänger /Poet waren als junger Tramp in Europa von Schweden bis Istanbul 1965 – 70, Andalusien 1971, Amsterdam 1972 – 1977, Reisen in USA-Mexiko-Indien- Brasilien 1981 – 1987. 2006 – 2012 erschien Walter Liethas Anthologie in fünf CDs mit praktisch sämtlichen Aufnahmen von 1974-2012.

Foto : Tabea Hüberli, Zürich

Link : Anthologie (5 CDs)

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