Liederbestenliste: Tobias Thiele mit “Unerhört”

2. März 2017
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tobias_thiele_unerhoertVon Barbara Preusler, Jurorin der Liederbestenliste.

In diesen Zeiten kommt uns Einiges an Nachrichten unerhört vor und unerhört sind die Warnungen vor der schleichenden Unterwanderung rechter Populisten im Alltag. Der Eingangssong »unerhört« aus dem gleichnamigen Album, des Berliner Liedermachers Tobias Thiele passt. Unerhört, ein vieldeutiges Denkwortspiel.

Mir gefällt das Spiel mit diesem Wort. Das Lied wirkt nicht aggressiv oder erzieherisch. Es zählt all die Dinge auf, welche in den Medien täglich oder in der Kneipe nebenan zu erfahren sind. Wir hören ununterbrochen über Krieg, Korruption, Bankenpleiten, Mord, menschliches Versagen. Wir hören täglich die Nachrichten, essen fürstlich oder fahren Auto dabei – und schon verblassen Wort und Bild. Schliesslich trifft es uns nicht. Es geht an uns vorbei. Wir hören weg und vergessen uns im neuen Tagesschlamassel der Ungereimtheiten. Ich höre eine gewisse Machtlosigkeit aus dem Text von Tobias Thiele, doch auch den Aufruf, Dinge verändern zu wollen: Tun wir doch endlich was! Es stinkt bereits zum Himmel.

„Hört man zu oder hört man nicht hin / verschliesst man Ohren, Augen, Sinn / es tönt so laut, es gibt kein Entrinn’n / die Mauern und Grenzen schreien bis zum Himmel hin …“

Wir hören die Sehnsucht seiner Generation nach Sicherheit, Hoffnung um eine lebenswerte Zukunft.
Griffig ist der Text und lyrisch. Virtuos und feinsinnig spielt er sein Hauptinstrument, die Gitarre. Seine angenehme Stimme und die klare Art seines Gesanges erinnert an das gute klassische Liedermacherhandwerk.

Meine persönliche Empfehlung: Dieses Lied sollte unbedingt nicht „ungehört“ bleiben.

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Tobias Thiele

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