Die Chansonade groovt und rappt auch 2017

25. April 2017
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milena_und_band1Am Freitag, 21. April, und Samstag, 22. April fand die nunmehr neunte Ausgabe der Chansonade statt. Mit 21 Auftretenden war das Programm auch dieses Jahr reichhaltig. Besonders bemerkenswert: erstmals standen heuer mehr Künstlerinnen als Künstler auf der Bühne.

Hochkarätig und vielfältig waren sie auch dieses Jahr die Acts, welche an der Chansonade geboten wurden. Musikalische „Stegreif Comedy“ (Pumpernickel) – man lese: Lieder, die tatsächlich erst vor Ort und mit dem Publikum entstanden – waren dabei ebenso vertreten wie szenisches Chanson (Bruna Guerriero) und Gedichtvertonungen der Frutigtaler Dichterin Maria Lauber (Trummer). Bei letzteren musste man gut hinhören, ist der Frutigtaler-Dialekt doch so ganz (und erfrischend) anders als das, was man gemeinhin an Dialekten zu hören bekommt.
Am Samstag führte die musikalische Reise von französisch-luzernischen Chansons (Milena) über italienische Canzoni, die urplötzlich durch perkussiven Mundartrap durchbrochen wurden (Todisco & Messerli), bis hin zu hochdeutschen und schliesslich zürichdeutschen Liedern mit „Hieb und Stich“ (La Floretteuse). Beschlossen wurde die diesjährige Chansonade durch Marco Zappa, der mit seinem Programm „PuntEBarrier“ gleichzeitig das 50-jährige Bühnenjubiläum feiert.
Besonders gut vertreten waren in diesem Jahr vor allem auch die Liedermacherinnen: insgesamt stellten sie 11 von 21 Künstler/innen und waren damit sogar – erstmalig seit Beginn der Chansonade – in der Mehrzahl!
Auch dieses Jahr durften wir bei der Durchführung der Chansonade auf die Unterstützung zahlreicher Personen zählen. Unser ganz spezieller Dank geht an:

– den ktv und Eclipse (für die erfreuliche Zusammenarbeit und das Bühnenequipment)
– die Designerin (für das Erstellen der Plakate und Flyer)
– die Künstler/innen (für 21 x 20 Minuten Magie im Scheinwerferlicht)
– die Moderator/innen (für die charmanten Ansagen und den passenden Rahmen)
– die Techniker (für das stundenlange Ausharren im sauerstoffarmen Untergrund)
– die Standbetreuer/innen (fürs Social-Networking und das Werben)

chansonade_2017_todisco_messerli

Last but not least danken wir auch unserem Publikum und allen weiteren guten Seelen, welche am und um den Anlass herum zum Gelingen desselben beigetragen haben. Bereits jetzt freuen wir uns auf ein Wiedersehen an der nächsten Chansonade im 2018!

Foto 1: Milena und Band mit „Chocolat Rouge“.
Foto 2: Todisco und Messerli rappen die Bühne.

Bühne frei für die Chansonade 2017

21. März 2017
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mosaik_chansonadeBereits zum neunten Male laden wir Sie im Rahmen der Schweizer Künstlerbörse ganz herzlich zur Chansonade der LiederLobby ein. Auch in der diesjährigen Ausgabe dürfen wir Ihnen ein volles Programm mit 21 Künstler/-innen präsentieren: vom Freitag, 21. April, ab 14.30 Uhr, bis am Samstag, 22. April, um 19.30 Uhr reiht sich somit praktisch halbstündlich Act an Act und bietet Ihnen eine breite Fülle an Liedermachenden, welche Ihre Lieder, Chansons und Songs in Sets à 20 Minuten darbieten. Die Chansonade befindet sich etwa in der Mitte der Exposition in der Nähe der bar des artistes (seitlichen Abgang benutzen). Der Eintritt ist frei – Sie können die Chansonade also auch ohne Börsenpass besuchen.

Ebenfalls wird die LiederLobby mit einem Stand gleich beim Eingang der Chansonade präsent sein. Gerne laden wir Sie zu einem Getränk und einem kleinen Snack ein und stellen Ihnen die Lobby genauer vor. Natürlich würden wir uns freuen, wenn Sie gleich vor Ort und Stelle Mitglied oder Gönner/-in der Lobby werden!

Anbei finden Sie das Programm sowie Links auf die Webseiten der Künstler/-innen. Bereits jetzt wünschen wir Ihnen viel Vergnügen bei Ihrer Reise durch die ebenso bunte wie abwechslungsreiche Welt der Liedermachenden!

Künstler/-innen

Freitag: Pumpernickel, Martina’s Best, Katharina Berger, Bastler & Grautier, Bruna Guerriero, Simon Fankhauser, Brigitte Marolf, Trummer, sonix

Samstag: Jacqui Chocolat, Esther Hasler, Martin Hauzenberger, Misurina, Christoph Bürgin & Mark Koch, Pidu und ich, Milena, Todisco & Messerli, Irene Mazza, Rolf Luginbuehl, La Floretteuse, Marco Zappa & Friends

Programm

plakate_doppelt_25prozentDas Programm gibt es in verschiedenen Formaten und Auflösungen:

Grafischer Flyer: 150dpi / 300dpi / 600dpi / flyer_print
Plakate: 150dpi / 300dpi / 600dpi / fr_print / sa_print
Schweizer Künstlerbörse: Programm
LiederLobby: Agenda

Ort

KKThun: Lage & Anreise 

 

Chansonade

Impressionen zur Chansonade 2015 finden Sie in dieser Diashow.

Château Chanson

Bereits jetzt machen wir Sie auch auf unsere Herbstveranstaltung Château Chanson aufmerksam. Am Samstag, 28. Oktober 2017, haben Sie auch dort Gelegenheit 6 weitere Liedermachende auf der Bühne zu erleben:

Homepage: www.chateauchanson.ch
Flyer & Programm: Château Chanson

Für weitere Fragen wenden Sie sich bitte direkt an uns (siehe Kontaktseite).

Generalversammlung in der La Cappella Bern

6. März 2017
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la_cappellaAm kommenden Sonntag, 12. März, findet die Generalversammlung der LiederLobby statt. Wir sind diesmal zu Gast im überaus reizvollen La Cappella in Bern, jener sagenumwobenen Stätte also, die auf geradezu magische Weise den Charme einer Kirche mit dem Zauber einer Kleinbühne vereint. Musikalisch eröffnen wird diesen Anlass Irene Mazza (um 10 Uhr). Eintreffen darf man aber auch schon früher (ab 9.30 Uhr). Im Anschluss an den statutarischen Teil findet das Mittagessen statt (ca. 12 Uhr). Anmeldungen sind über diesen Link möglich. Bereits jetzt freuen wir uns auf spannende Diskussionen und eine zahlreiche Teilnahme!
Programm

– 9.30 Uhr: gemütliches Eintreffen mit Kaffee & Gipfeli
– 10.00 Uhr: musikalische Eröffung durch Irene Mazza
anschliessend: statutarischer Teil
– 12.00 Uhr: Mittagessen

Liederbestenliste: Tobias Thiele mit „Unerhört“

2. März 2017
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tobias_thiele_unerhoertVon Barbara Preusler, Jurorin der Liederbestenliste.

In diesen Zeiten kommt uns Einiges an Nachrichten unerhört vor und unerhört sind die Warnungen vor der schleichenden Unterwanderung rechter Populisten im Alltag. Der Eingangssong »unerhört« aus dem gleichnamigen Album, des Berliner Liedermachers Tobias Thiele passt. Unerhört, ein vieldeutiges Denkwortspiel.

Mir gefällt das Spiel mit diesem Wort. Das Lied wirkt nicht aggressiv oder erzieherisch. Es zählt all die Dinge auf, welche in den Medien täglich oder in der Kneipe nebenan zu erfahren sind. Wir hören ununterbrochen über Krieg, Korruption, Bankenpleiten, Mord, menschliches Versagen. Wir hören täglich die Nachrichten, essen fürstlich oder fahren Auto dabei – und schon verblassen Wort und Bild. Schliesslich trifft es uns nicht. Es geht an uns vorbei. Wir hören weg und vergessen uns im neuen Tagesschlamassel der Ungereimtheiten. Ich höre eine gewisse Machtlosigkeit aus dem Text von Tobias Thiele, doch auch den Aufruf, Dinge verändern zu wollen: Tun wir doch endlich was! Es stinkt bereits zum Himmel.

„Hört man zu oder hört man nicht hin / verschliesst man Ohren, Augen, Sinn / es tönt so laut, es gibt kein Entrinn’n / die Mauern und Grenzen schreien bis zum Himmel hin …“

Wir hören die Sehnsucht seiner Generation nach Sicherheit, Hoffnung um eine lebenswerte Zukunft.
Griffig ist der Text und lyrisch. Virtuos und feinsinnig spielt er sein Hauptinstrument, die Gitarre. Seine angenehme Stimme und die klare Art seines Gesanges erinnert an das gute klassische Liedermacherhandwerk.

Meine persönliche Empfehlung: Dieses Lied sollte unbedingt nicht „ungehört“ bleiben.

Link

Tobias Thiele

Liederbestenliste: Sonix nominiert für den Förderpreis 2017

7. Februar 2017
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sonix_liederbestenlisteDie Förderpreis-Jury der Liederbestenliste hat fünf Künstler/innen für den Förderpreis 2017 nominiert. Es freut uns ganz besonders, dass mit Sonix auch eine Lobbyistin darunter ist. Die Hallauer Liedermacherin und Musikerin veröffentlichte erst vor kurzem ihre neue CD „Dinge, die ändern“, welche unter anderem auch von Markus Heiniger rezensiert wurde. Der oder die Förderpreisträger/in wird Anfang März bekanntgegeben. Kurze Portraits der Künstler/innen sowie weitere Infos zur Liederbestenliste sind über die Links verfügbar.

 

Links

Portraits der Nominierten
Liederbestenliste
Sonix
Rezension zu „Dinge, die ändern“

Zephyr Combo – CD-Taufe im Helsinki Klub

1. Februar 2017
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Zephyr Combo by mischa scherrerAm Freitag, 4. Februar 2017, taufen Zéphyr Combo ihre neue CD „Le Bal des Vents“ im Helsinki Klub in Zürich.

Aus allen Himmelsrichtungen treffen sich die Winde für einen wirbelnden Tanz über Land und Meer. Geschichten und Klänge aus verschiedensten Ecken der Welt kreiseln um einander und vermischen sich, manchmal zu milder Sommerbrise, dann zu zügellosem Sturm. Mit zahlreichen Eigenkompositionen präsentiert Zéphyr Combo das neue Album „le Bal des Vents“ ein neues Repertoire voller Energie, Poesie und Humor, untermalt mit virtuosen Folk, Latin- und Zigeunerklängen.

Infos

Ort: Helsinki Klub Zürich
Zeit: 21.30 Uhr (Bar ab 20 Uhr)
Band: Zéphyr Combo

Anmeldungen zur Chansonade 2017 ab jetzt!

30. November 2016
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Kleinbühne für Liedermachende

chansonade_tablaIn unmittelbarer Nähe der “bar des artistes” und via den seitlichen Zugang der Expo leicht zu erreichen ist die Chansonade seit nunmehr acht Jahren fester Bestandteil der Schweizer Künstlerbörse und hat sich in dieser Zeit zur eleganten Kleinbühne mit viel Charme gemausert. Auch im neuen Jahr heisst es an zwei Tagen wieder Bühne frei für ein volles Programm quer durch die ebenso vielfältige wie abwechslungsreiche Szene der Schweizer Liedermachenden. Die Auftritte finden jeweils jede halbe Stunde statt und dauern pro Künstler/in maximal 20 Minuten. Organisiert und moderiert wird die Chansonade von der LiederLobby Schweiz (www.liederlobby.ch).

Sei auch du Teil der Chansonade und melde dich an :

– Wann: Freitag, 21. April 2017 / Samstag, 22. April 2017
– Dauer: ca. 12.00 – 20.00 Uhr
– Genre : Lieder / Songs / Musikkabarett (keine Covers)
– Bühne: ca. 4m x 2.5m
– Zeit: 20 Minuten / Auftritt
– Kosten: Fr. 40.- (Mitglieder) / Fr. 120.- (Externe) *

Anmeldung: liederlobby.ch/anmeldung

Anmeldeschluss: 31. Januar 2017
Update 1. Februar 2017: Die offizielle Anmeldefrist ist abgelaufen. Nachanmeldungen werden berücksichtigt, solange es noch freie Plätze gibt. Der Frühbucherrabatt für Stellwände / Stände gilt noch bis am 28. Februar.

Ein Querschnitt durch die Chansonade 2015 ist als Diashow unter dem folgenden Link verfügbar: www.youtube.com/watch?v=Lxo26gbWGus

* Beinhaltet für Externe gleichzeitig eine freiwillige Mitgliedschaft in der LiederLobby während eines Jahres.

Rencontre des cultures – l’incontro delle culture

Les artistes romand-e-s ou d’expression française sont les bienvenu-e-s !

Chansonade : la petite scène pour connaisseurs
Depuis plusieurs années déjà, la Chansonade fait partie intégrante de la Bourse Suisse aux Spectacles. Au fil du temps, elle s’est développée pour devenir ce qu’elle est aujourd’hui : une scène élégante et pleine de charme. La Chansonade offre deux jours de programme où la scène est libre pour les chanteurs et chansonniers de la scène suisse qui, à chaque demi-heure, peuvent y présenter leur programme pendant 20 minutes. Délai d’inscription : 31 janvier 2017.

Gli/le artisti ticinesi/e o di lingua italiana sono i/le benvenuti/e!

Chansonade: il piccolo e delizioso palco
Da qualque anno ormai, la Chansonade è parte integrante della Borsa Svizzera degli Spettacoli che nell’arco del tempo si è trasformata in quella che oggi è una scena elegante e coinvolgente. Ogni anno per due giorni vale il motto: Via libera a un programma intero attraverso la scena multiforme e variegata di cantautori svizzeri. Gli spettacoli si svolgono ogni mezz’ora con una durata massima di venti minuti per ogni artista. Iscrizioni fino al 31 di gennaio 2017.

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Jürg Halter: Us emene lääre Gygechaschte

28. November 2016
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12798971_1397233850578179_1840875162121349275_nMani Matter (1936 – 1972) gilt noch immer als der herausragendste Chansonnier der Schweizer Mundartszene. Anlässlich vieler Gedenkveranstaltungen zu seinem 80. Geburtstag wurde einiges von seinem Liedgut gecovert und gesungen. Dabei gelang und gelingt es nur wenigen Künstlern, Matters Lieder glaubwürdig zu interpretieren. Mich langweilt es, Künstlern zu lauschen, die krampfhaft den typischen Matterstil in einer Dauerschleife kopieren oder gar seine feinen, kritischen Texte mit unpassenden Arrangements übertönen. Die Finessen der kritischen und spitzigen Liedbilder Matters sind meisterlich und es bedarf sehr viel künstlerische Sensibilität, diese in unserer heutigen Zeit neu zu malen.

Der Verlag Zytglogge präsentiert mit dem Album „Und so blybt no sys Lied“ eine Hommage an den Meister des Berner Chansons. Ich finde darauf viele junge Künstler. Das Album ist gelungen. Frisch und mit Phantasie werden Matters Texte in unsere Zeit gebeamt.

Besonders poetisch und schauerlich zugleich ist für mich Jürg Halters neu arrangiertes und ins Hochdeutsche übersetzte Lied „Aus einem leeren Geigenkasten“. Es lässt mich aufhorchen. Halter ist ein Künstler mit Stil, ein unverwechselbarer Stimmungsmaler. Er ist ein Künstler, der die Sprache und deren Inszenierung beherrscht. Ich bin begeistert.

„Aus einem leeren Geigenkasten“ ist ein Antikriegslied der besonderen Art. Der Text ist aktueller denn je. Es brennen die Welten und die Seelen mit ihr. Das Lied kommt schaurig schön daher, es zeichnet die spezielle Stimmung zart und brutal. Jürg Halter setzt seine Stimme genau auf den Punkt, er gestaltet gekonnt. Geschickt sind seine textlichen Ergänzungen. Die Sounds werden perfekt eingesetzt. Halter gibt dem Lied Aktualität, es ist Halters Lied geworden. Es ist jetzt und heute, leider auch morgen, aktuell. Ein Warnsignal, ein stumm gewordener Aufschrei gegen das Morden, gegen das Unmenschliche, was täglich und überall passiert. Halters Interpretation zeigt unsere Machtlosigkeit, unser Hinterfragen, unsere Verantwortung, unser Vergessen und sie zeigt mit letzter Konsequenz, was Krieg aus unseren Seelen macht.

coverAlbum: Und so blybt no sys Lied. Mani Matter Tribute.

„Aus einem leeren Geigenkasten
zieht er sein Instrument
und der Kasten verschwindet
und er spielt ohne Bogen
ein Lied ohne Worte“

Das kurze Sound-Intro stimmt mich ein und erzeugt Spannung. Der Erzählgesang Halters geht tief in Kopf und Herz, kommt aber leicht und berührend nah daher.

„Und er trägt einen Zylinder
doch drunter keinen Kopf
und keinen Hals und keinen Leib
keine Arme, keine Beine,
das hat er alles verloren im Krieg“

 

Brutale, klare Aussage – wir haben alles zu verlieren.

„Alles verloren im Krieg
und so bleibt noch sein Lied
nur dieses ist noch da
denn auch einen Zylinder
hat er nie einen gehabt“

„So lauschen wir dem Lied
zunehmend unsicher
ob“s uns noch gibt
ob“s uns noch gibt
ob“s uns noch gibt
ob“s uns noch…“

„Und er spielt ohne Bogen
ein Lied ohne Worte
ohne Worte, ohne…
ohne Worte, ohne…“

Der Mensch demontiert sich selbst. Klimawandel. In der Politik. In der Gesellschaft. In der Natur. Beängstigend die Aussagen im Lied, die uns zwingen, bis zum Ende zu lauschen. Halter bleibt Halter. Auch die Gänsehaut bleibt. Ich höre Jürg Halters Chanson wieder und wieder. «Und so bleibt noch sein Lied».

Dieser Artikel erschien ursprünglich in der Liederbestenliste.

Liederbestenliste sucht den Förderpreisträger 2017

22. November 2016
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liederbestenliste_logoDota Kehr hat ihn bereits erhalten, Falk, Uta Köbernick – und im vergangenen Jahr Nadine Maria Schmidt: den Förderpreis der Liederbestenliste. In Zeiten, in denen die Medien-Plattformen für junge Liedermacher zunehmend ausdünnen, geht die Liederbestenliste den entgegengesetzten Weg. Jährlich vergibt eine unabhängige Fachjury einen Förderpreis an Nachwuchskünstler, deren engagierte, lustvoll provokante Lieder überzeugen und dem akustischen Mainstream trotzen. Manchem verhalf der Preis bereits zum Durchbruch. Kein Wunder, liest er sich doch nicht nur gut in einer jungen Künstlervita. Der Förderpreis der Liederbestenliste sorgt auch für Öffentlichkeit: mit einem Auftritt beim Liederfest vor großem Publikum im legendären Mainzer Unterhaus und in der Folge mit Ausstrahlungen des Konzerts im öffentlichen-rechtlichen Rundfunk.

Du bist selbst Liedermacher, aber noch unentdeckt? Du kennst eine Liedermacherin, bei der du dich wunderst, dass sie noch kaum jemand kennt? Dann bewirb dich bei uns – alleine oder mit deiner Band – oder leite diese Ausschreibung weiter an den Musiker deiner Wahl, deines Herzens, deines Geschmacks.

Teilnahmevorrausetzungen? Du hast bereits ein Repertoire an eigenen Songs, gewisse Bühnenerfahrung und bist auf dem Sprung zur Professionalität. Bewerbungsunterlagen? Eine kurze Vita, 3-5 selbst komponierte und getextete Songs oder bereits eine eigene CD.

Und wohin damit?

– Barbara Preusler, Hauptstrasse 1, CH-4153 Reinach BL
– Wolfgang Rumpf Nordwestradio, Diepenau 10, 28195 Bremen
– Michael Lohse WDR 5, Appellhofplatz 1, 50667 Köln

Einsendeschluss: 31. Dezember 2016

www.liederbestenliste.de

Rezension: Sonix – Dinge, die ändern

13. November 2016
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sonix_cover1Eine Rezension von Markus Heiniger.

Sie heisst Sonix, kommt aus der Schweiz und singt ihre eigenen Songs. Auf Deutsch. Mit sanfter, ausdrucksstarker Stimme. Dicht Getextet, oder wohl besser gesagt, präzise gedichtet, gleichzeitig leichtfüssig und klar. Völlig frei von schweizerisch, markiger Mundart-Einfärbung – Deutsch eben – dafür mit einem wohltuenden Schuss Blues im Blut.

Sonja Wanner rockt zusammen mit ihrer Band zurzeit ganz schön die Schweizer Bühnen. Und die Deutsche Lieder-Bestenliste. Denn auch den Kritikern ennet des Rheins ist das starke Gesamtpaket nicht entgangen. Apropos „rockt“: Sonix klingt eher nach Folk und Blues. Und, das Wichtigste, nach Sonix.

Selber bezeichnet sich die gelernte Schauspielerin und Musikerin als Liedermacherin, Sängerin und Freigeist. Letzteres wird man wohl fast zwangsläufig, gibt frau beim Stemmen des Lebens(unterhalts) als Mutter von Zwillingen das Schreiben und Singen eigener Lieder nie auf.

Was gibt es auf der CD zu hören? „Sing Halleluja, öffne dein Herz, stell das Denken ein, den Körper lass sein, sing Halleluja, vergiss deinen Schmerz, all deine Pein, lass nur das Jetzt hinein!“. Das ist positiver als mancher der folgenden Texte. Und doch strahlen Licht und Sound dieses Hallelujas hell und warm über das ganze Album und bis hinein in die engsten Ritzen aller folgenden Tracks, einschliesslich des mutig ausufernden Titels „Schmerz“. Und wie beiläufig sagt Sonix in ihrem Eröffnungssong auch, worum es ihr wohl wirklich geht in all ihren Liedern. Etwas, was so direkt und schnörkellos nur selten ein versierter Texter zu sagen wagt: „Hör in dich hinein, was dir die Liebe sagt!“

Grossmutters Hände“ ist eine ihrer ganz starken Nummern. Werner Weldon an der Gitarre, Achim Drüke am Bass und Ferdinand Rauber an der Percussion legen einen dunkelblauen, beinahe schwarzen Teppich unter eine Hommage an eine kluge, alte Frau, die längst weiss, worauf es im Leben ankommt (und worauf nicht). Schon nach den ersten Takten fällt man in den Song hinein und sieht sich wenig später selber als Kind in der Küche der eigenen Grossmutter stehen. Im Dampf und Qualm eines ungeduldig erwarteten Essens und Lebens.

In „Alleinerziehend“ lehnt die am Weihnachtstag 1969 geborene bei Zürich aufgewachsene attraktive braunäugige Künstlerin in der Erinnerung an einer Wand und beobachtet konzentriert ihr Kind, das im Wasser planscht. Hat sie alles erledigt, was es zu erledigen gilt? Bestimmt hat sie etwas vergessen. Wie könnte es auch anders sein. Denn sie ist „Mutter, Vater, Spielgefährte, Businessfrau und Krankenschwester, Freundin, Köchin, Krisenrat und mehr.“ Für einen ganz kleinen Augenblick schweift sie, so an der Wand lehnend, in die Erinnerung alter Tage ab und versucht sich darauf zu besinnen, was damals ihre Träume waren, die gestresste Mutter von heute, die vom Büro zu ihren Kindern rennt und wieder zurück. Ein von Selbstmitleid geprägtes Lied? Nein. Bloss eine sich schonungslos erinnernde Songwriterin, die, ohne zu beschönigen, singt, wie’s halt ist. Und war.

Keine Flagge für niemand“ schliesslich ist ein trotziges, stolzes Bekenntnis einer Frau mit einer bunten nationalen Herkunft. „Müsste ich mir eine Flagge wählen, ich schwörs, ich käm in Not…“ „Müsst ich mir eine Hautfarbe wählen, ich schwörs, ich käm in Not…“ „Müsst ich mir einen Glauben wählen, ich schwörs, ich käm in Not.“ Sonix leistet Widerstand und wählt nichts. Gar nichts. Denn sie will einfach nur Europäerin sein und Mensch. Ein liebender Mensch.

Gibt es Schwachstellen auf dem Album? Vielleicht unmittelbar nach Track 12. Denn da ist die CD zu Ende. Schon, möchte man sagen. Und beginnt mit Hören gleich nochmal von vorne. Geniesst die Stellen, an denen Monique Baumanns Flöte erklingt. Und versucht die Assoziationen zu entwirren im Song „Echo“, in dem Sonix von ihrer „Zeit als Frau im Kind“ singt. Spätestens hier wird einem bewusst, was Sprache kann: Wenn man sich in Sonix‘ Stimme selber als Mensch im Kind erkennt, das man war. Gut, dass es noch lange nicht vorbei zu sein scheint mit starken Deutschen Songs.

Link
www.sonix.ch

Dieser Artikel erschien ursprünglich auf „Ein Achtel Lorbeerblatt„.