KaLIEDoskop zum Zweiten

Sieben starke Chansons-Acts und ein verschmitzter, geschichtenerzählender Thuner Moderator.

Text von Alva Liv Heiniger; Bilder von Samuel Burger

Am 2. September 2023 fand im praktisch vollen Theater ALTE OELE in Thun das zweite KaLIEDoskop der CH-LiederLobby statt.

Der Thuner Geschichten-Erzähler und Moderator Heiner Hitz führte in gepflegtem Baseldeutsch poetisch und augenzwinkernd durch den Abend. Seine fortlaufende Geschichte um die verzweifelte Suche nach einer Nachtigall, wurde immer wieder durch Lieder-Auftritte unterbrochen.

 

Den ersten davon bestritten Adi Halter & Stefan Heimoz. Die beiden Liedermacher spielten sich gleichsam für einen Soloabend ein, den sie hier 2024 geben werden. Wortwitz, Spielfreude und lockere Präzision im Zusammenspiel stiessen auf Begeisterung und sind vielversprechend. Stefan Heimoz’ Gelassenheit seines ( Bärner Grings) und Adi Halters groovig präzises Gitarrenspiel ergeben als ein Ganzes tatsächlich mehr als die Summer seiner Teile.

 

 

Katharina Berger, ihres Zeichens Präsidentin der CH-LiederLobby, wartete mit einem Solo auf. Stoisch, mit Cowboyhut und Gitarre, verlieh die Baslerin ihrer Wort-Poesie mit ihrem Auftritt Flügel. Und dies ihrerseits – in (ebenfalls charmantem) Kontrast zum Moderator und Lokalmatador – in gepflegtem Berndeutsch. Ihre Betrachtungen sind sprachlich fein gedrechselt, scheuen sich aber anderseits nicht in munterer Derbheit auszusprechen, dass gewisse Menschen nicht so «Ärsche» wären, hätten sie «meh Füdle».

 

 

Onira Glinka bezauberten danach mit zärtlich, melancholischem Sound. Die Sängerin Sabina Kaeser wurde dabei von David Ciana perkussiv und klangmalerisch begleitet. Das Publikum liess sich von den beiden an die Hand nehmen und in sprachlich musikalische Traumwelten entführen.

 

Den ersten Teil beendete Just Pearls. Die gebürtige Amerikanerin Kate Pearl ist mittlerweile so sicher im Emmental angekommen, dass sie es wagt, auf Berndeutsch zu dichten. Und wie! Ob sie sich (dies zwar auf Französisch) an ihre viel zu früh gestorbene Beste Freundin wendet oder von zwei Eiszapfen singt, «sie hange amene Ascht / sie berüehre enanger fascht», die Pearl schöpft ihre Wortkunst aus der Tiefe der Seele und aus eingängigen Bildern, wie sie uns nur die Natur zu schenken vermag. Es ist grosse Berndeutsche Songwriter-Kleinkunst.

 

Irene Maza eröffnete den zweiten Konzerteil mit ihrem Album-Titlsong «Aberäbe». Wenn die Text-akrobatin beim zungenbrecherisch flink vorgetragenen Refrain das Publikum zum Mitsingen animiert, löst sie damit wunderbare Lacher aus. Ihr Charme und ihre Bühnenpresänz packen. Noch knüpft sie nicht mit all ihren Liedern an der hervorragenden Qualität ihres «Aberäbä» an. Aber Maza wird zusehends stärker und ihre Auftritte sind vielversprechend.

 

Spiegelein & Spiegelei sorgten für den künstlerischen Kontrast des Abends. Mit Deutschen Chansons-Klassikern aus den 1930er und -40er Jahren räumten die beiden Frauen förmlich ab. Das war eine gesangliche und schauspielerische Leistung auf äusserst hohem Niveau, begleitet am PianoForte, FrauenPower vom Allerfeinsten. Die hervorragende und virtuose Russland-Nummer hatte im Kern sogar etwas Human-Versöhnliches, wobei es zurzeit leider halt auch ein leises «Ach» auslöst. Nur der abschliessende Hildegard Knef-Song konnte natürlich noch nicht ganz mit der künstlerischen und persönlichen Reife der Autorin und Sängerin mithalten. Aber wie sollen wir je dahinkommen, singen und hören wir nicht gerade auch solche, wahre Lebensweisheit verbreitende Chasons.

Mischa Wyss schloss ab. Was soll man mehr dazu sagen? Denn was kann sich ein buntes Kaleidoskop in wunderbar schillernder Vielfalt Besseres wünschen als von einem der qualitativ hochstehendsten Berner Chansonniers der Gegenwart abgerundet zu werden? Wyss ist ein bisschen wie Mani Matter: Kein hervorragender Musiker und Sänger. Und auch nicht wirklich eine Rampensau. Aber halt einfach unglaublich gut.

 

Der Anlass wurde zuletzt von Thuner Grössen wie Hans-Ueli von Allmen gefördert und unterstützt. Die Sponsoren sind an Bord. Die Ausgabe 2024 blinzelt bereits mit einem charmanten Funkeln in den Augen durchs Schlüsselloch.

 

 

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