Stefan Heimoz – CD Eselsbrügg

Eine Besprechung von Markus Heiniger.

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„Isch dr Obelix stercher als du, Papa?“, (Ist Obelix stärker als du, Papa?). Stefan Heimoz beginnt seine CD „Eselsbrügg“ (Eselsbrücke) mit dem Titel „Chinderfrage“, (Kinderfragen). „Mys Ching, mängisch chan i scho chly schmunzle“, (Mein Kind, manchmal kann ich schon ein wenig schmunzeln), kommentiert der 1968 geborene in sich ruhende Liedersänger mit seinen grossen blauen Augen im Refrain die Fragen seines Sohnes. „Isch dr Niese dr höchscht Bärg uf dr Ärde? (Ist der Niesen der höchste Berg auf Erden?), „Mues ig i d Schuel, wen ig e Gloon wott wärde?, (Muss ich zu Schule, um ein Clown zu werden?). Die CD knüpft inhaltlich damit gleich bei Heimoz‘ beiden Vorgänger-Alben an: Auf der einen ragt der Niesen als Pyramide in den Himmel. Und seine letzte Scheibe „Chly aber gross“, (Klein aber gross), hat Heimoz ja seinem Sohn gewidmet.

Liebenswürdige, ja oft naive kleine Bilder und Gedankengänge sind Heimoz‘ Chansons. Zuweilen auch kritische aber stets heitere Betrachtungen, die, wie der Autor selber, keiner Fliege etwas zu leide tun zu können scheinen. Denn ob ihn während des Joggens eine Dogge auffrisst, ob Jammertanten „jammere i dr Chammere“, (jammern in der Kammer) oder ob er auf die Politische Partei GMV (Gsunde Mönscheverstand) schwört, kaum je beisst Heimoz wirklich zu, jammert oder wird ernsthaft politisch. Diesen Umstand könnte man ihm durchaus vorwerfen. Aber der heitere Grundton in seinem Schaffen ist andererseits eben auch eine Qualiltät. Seine ureigene.

Aufhorchen lässt sein „ds Lied vom Troubadour“, (das Lied des Troubadours). Darin erreicht Heimoz, trotz – oder auch gerade wegen – des leichtfüssigen Erzähltons eine melancholische Tiefe, die sich durchaus etwa neben Fritz Widmers „Schärischlyfer-Ballade“ (Scherenschleifer-Ballade) stellen darf.

Heimoz macht auf der Bühne stets das, was er wirklich kann. Und mit seiner kontinuierlichen Arbeit, seiner grossen Sorgfalt und seiner Liebe zum Handwerk scheint er seine Grenzen von Jahr zu Jahr zu erweitern. So ist es unüberhörbar, dass er, der stimmlich schon immer sehr angenehm und unverkrampft daherkam, auch auf der Gitarre immer besser wird. Diesen Umstand nützt Heimoz nun aber nicht etwa zum Protzen und Glänzen. Ganz im Gegenteil. Seine Lieder bleiben in ihrer Form schlicht und einfach, werden musikalisch aber zusehends luftiger, leichtfüssiger, verspielter und somit auch vielschichtiger und überraschender.

Wie der eine oder andere Mundartpoet kann Heimoz in seinen Liedern Wörter um des Reimes willen durchaus auch mal so betonen, wie sie beim alltäglichen Sprechen niemals betont würden, also etwa „St. Gallen“ auf die erste und letzte Sprechsilbe anstatt aufs „a“ in der Mitte oder „Fabrigg“ (Fabrik) aufs „a“ anstatt aufs „i“. Aber das kriegen sie auch noch hin, die Kollegen. Und es tut dem Umstand keinen Abbruch, dass es der Seele gut tut, die Welt hin und wieder in Stefan Heimoz‘ Liedern und Chansons zu betrachten.

Dieser Artikel wurde auch auf “Ein Achtel Lorbeerblatt” veröffentlicht.

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Homepage: Stefan Heimoz

 

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